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Fehlenden Veränderungswillen kann man der Serie FarCry nicht nachsagen. Wurde der Erstling noch von Crytek selbst entwickelt, zeichnet sich seit dem zweiten Teil Ubisoft als Entwickler aus. So auch beim neusten Sprössing Far Cry Primal. Wie der Name bereits erahnen lässt, werden wir zurück telepotiert in die Steinzeit, etwa 10.000 Jahre v. Chr.. Bereits in den Vorgängern spielte die Serie mit der Angst der Menschen vor der Natur und der Wissenschaft. Diese Angst wird nun eindrucksvoll, spielerische Realität. Nachdem das Spiel bereits seit einigen Wochen auf den NextGen-Konsolen Playstation 3 und XBox ONE erschienen ist, dürfen sich nun auch PC Spieler ins Getümmel stürzen.

Dieses "Getümmel" gestaltet sich jedoch in der Steinzeit ganz anders als gewohnt und ist zugleich auch eine der Stärken von Far Cry Primal. Das Setting ist zwar nicht gänzlich neu, jedoch im FarCry Stil hervorragend umgesetzt. Erst als wir einige Minuten im Spiel unterwegs waren, fiel uns, wie aus heiterem Himmel, auf, dass es zig tausend Jahre vor Christus entwicklungsbedingt weder Hightech, noch Schusswaffen gibt. Eine willkommene Abwechslung, denn der Kampf mit urzeitlichen Waffen verspricht spannend zu werden.

Zu Beginn des Spiels übernehmen wir die Kontrolle unseres Charakters, welcher mit seinen Stammeskollegen auf die Jagd nach Mammuts geht. Nach dem Angriff wilder Tiere jedoch stehen wir ganz schnell ziemlich alleine da und haben ab jetzt die Aufgaben unseren Stamm wieder aufzubauen, zu versorgen und das Terretorium zu erkunden, sowie natürlich von der Naturgewalt zurück zu erobern. Vermessen wäre es jedoch zu glauben wir seien die einzige Sippe in Far Cry Primal. Natürlich geht es auch, wie in den Vorgängern, darum andere Gruppierungen zu eliminieren.

Rollenspielelemente kommen auch in Far Cry Primal nicht zu kurz. So rekrutieren wir auf unseren Streifzügen durch die Wildnis zunehmend neue Mitstreiter für unsere Sache und erledigen zahlreiche Quests und Aufgaben um es zu einem würdigen Anführer zu bringen. Ganz nebenbei erhalten wir dadurch Erfahrung, weche uns stärker macht und die Möglichkeit eröffnet weiter im Spiel fortzuschreiten. Auffällig dabei ist, dass diese Aufgaben in der OpenWorld den Hauptteil des Spiels einnehmen und die Hauptstory dabei oft nur noch zur Nebensache wird. Was der eine oder andere als Kritikpunkt ansehen würde, hat uns gut gefallen. Das "Jagdfeeling" in der riesigen Welt, vermittelt so ein realistisches Spielgefühl, in dem man nie weiß, was als nächstes passieren wird. Die Kehrseite dessen ist, dass eine spannende Story wie beispielsweise in den Vorgängern, mit zahlreichen Wendungen und Zwischensequenzen, ausbleibt.

Technich ist Far Cry Primal auf der Höhe der Zeit und sehr hübsch anzusehen. Basierend auf der Dunia.2-Engine bietet das Spiel eine riesige, offene Welt voller Vegetation und Leben. Licht- und Schatteneffekte, sowie eine stimmige und dichte Besiedelung durch Mensch und Tier lässt den Spieler tief in die Spielwelt eintauchen. Hier spielt Far Cry Primal insbesondere seine zig dynamischen Elemente aus. Tiere beispielsweise folgen glaubhaft ihren Instinkten, die Umgebung spielt zur meisterung des Titels eine große Rolle. Dabei ist es relevant ob wir uns über Tag oder in der Nacht durch die Welt bewegen. Immer wieder treffen wir auf andere Gruppierungen und müssen unseren Spielfluss demnach anpassen. Und wer einmal genug hat von der weiten Welt, der darf sich in eine der zahlreiche Höhlen zurück ziehen, wo Ubisoft alles getan hat um ein echtes Steinzeit-Feeling zu erzeugen. Dieses Gefühl spielgelt sich auch in den NPCs wieder, welche naturgemäß für diese Zeit unterentwickelt erscheinen, jedoch durch die stimmige Geschichte den Unterschied zu anderen Shootern deutlich ausmachen. Zu guter letzt kommen auch die Sammler unter uns nicht zu kurz, so ist die Welt erneut vollgestopft von Dingen, mit welchen wir Gegenstände herstellen, entwickeln und upgraden können. Mit Erfahrungswerten steigern wir unseren Protagonisten und bauen unsere Fertigkeiten aus.

Das Gameplay erinnert bei Far Cry Primal sehr an den Vorgänger Far Cry 4. Und dies ist zudem wohl auch der größte Kritikpunkt. An manchen Stellen haben wir den Unterbau des Vorgängers zu deutlichen zu spüren bekommen. Das fängt mit der Aufteilung der Karte ansich an und endet bei den zu erledigenden Aufgaben. Immerhin, wer Far Cry 4 mochte, der kann in Primal, bei gewohntem Gameplay, sehr viele weitere Stunden Spaß in toller Athmosphäre haben. Dabei muss einem klar sein, dass das ernüchternde Hauptziel des Spiels nicht etwa die Story ist, sondern das immer weiter entwicklen des Charakters. Hier hätten wir uns etwas mehr Innovation und Ideen gewünscht, wie es bei der Spielwelt gelungen ist. Da es noch keine Schusswaffen gibt, enden viele Aufeinandertreffen im Nahkampf. Hier vermissen wir eine Funktion zum blocken oder ausweichen, was einen Kampf schnell ins unkoordinierte Chaos stürzt. Hier macht es deutlich mehr Spaß, das gegenüber per Pfeil und Bogen oder Wurfspeer ausser Gefecht zu setzen. Leider ist das aber nicht immer möglich.

Neben verbündeten NPCs, haben wir noch weitere Helfer auf unserer Mission. So haben wir die Möglichkeit eine Eule zu benutzen, durch deren Augen wir feindliche Stellungen observieren können. Ausserdem muss nicht gleich jedes Tier erfolgreich abgeschlachtet werden. Zahlreiche davon lassen sich auch zähmen. Einer der wenigen wirklich hilfreichen Skills ermöglicht uns dies. Danach stehen uns die Kräfte des Tiers als wertvoller Begleiter zur Verfügung. Wenige lassen sich sogar reiten, was die Steuerung jedoch unnötig kompliziert macht. Der Großteil der zu erlerndenen Skills jedoch hat leider keinen wirklichen Mehrwert.

Wer unseren Gamecheck bis hierher gelesen hat, der ahnt schon wie das Fazit aussehen wird. Far Cry Primal ist ein grundsolides Spiel, mit einer fantastischen, großen und belebten Spielwelt. Es sieht hervorragend aus und lässt den Spieler tief in die Steinzeit eintauchen. Ernüchtern hingegen sind die Spielmechaniken, wie das Aufbauen des eigenen Charakters oder das erledigen von Aufgaben nach immer dem gleichen Prinzip. Hier stellt sich die Frage nach dem Spielertyp. Wer eine epische Story erwartet der wird hier auf ganzer Linie enttäuscht. Wer aber gerne in eine fremde Welt eintauchen mag und die Überraschung und Spontanität liebt, der wird bei Far Cry Primal auf seine Kosten kommen. Langweilig wird es in jedem Fall so schnell nicht.

 

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